Riesenmaschine

24.11.2005 | 21:26 | Anderswo | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Behinderte raus


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es ist wahr, dass Grafiker einen schweren Job haben, weil sie das bunt machen müssen, was andere ihnen sagen, obwohl sie nichts mehr hassen, als bunt zu machen, was andere ihnen sagen. Es ist auch wahr, dass Piktogramme und Stilisierungen viel, viel schwerer zu designen sind, als man annimmt. Trotzdem hätte der entwickelnde Grafiker, aber auch der zuständige Projektmanager und schliesslich die anbringende Person selbst eine Spur mehr Feingefühl zeigen können. "Behinderte verboten", dieses Schild auf dem Nürnberger Flughafen klebt ohne ersichtlichen Grund an einer Säule mitten in der Abflughalle. Im ersten Moment denkt man so bei sich, klar, die Nürnberger Rassegesetze wirken hier im volkshygienischen Bereich noch nach. Erst einige Nachfragen später offenbart sich die Bedeutung des Schilds: "Ab hier keine Möglichkeit mehr für Rollstuhlfahrer, die Ebene zu wechseln, weil nur noch Treppen und keine Fahrstühle mehr vorhanden sind." Hätte man auch selbst drauf kommen können. So weit ist Nürnberg nun auch nicht hinterher.


24.11.2005 | 17:11 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Neuer Wein in alten Schläuchen


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Selten wurde ein Produkt so schnell entwertet wie der tragbare MP3-Spieler. Inzwischen läuft jeder Spacko mit einem Ipod herum, Distinktionsgewinn via weisser Ohrhörerkabel ist nicht mehr zu erzielen, weil der Ipod Shuffle von wirklich jedem Taschengeld bezahlt werden kann. Hilft also nur die Flucht zurück in das Gegenkonstrukt, das da lautet: Size does matter! Was bedeutet: MP3 – gerne, aber bitte nicht miniaturisiert. Zeit also, sich das inzwischen durchaus abgehangene Rebraun-Objektarium mal wieder genauer anzuschauen.

Für lockere 12.000 Euro bekommt man eine MP3 Jukebox inklusive Server und WLAN, eingebaut in eine alte Braun-Kompaktanlage, deren Design 1962 entworfen wurde und bis heute (bzw. mehr denn je) wegweisend ist. Wem das noch zu stylish ist bzw. wer insgesamt von der Denke her eher dem Saab 9000-fahrenden C4-Professor zuzuordnen ist, der bekommt bei Bootleg-Objects vergleichbare Technik in einem Bang & Olufsen – Retro Design. Fein.


23.11.2005 | 15:50 | Berlin | Zeichen und Wunder

Schwarz-weisse Flora

Schon seit einigen Wochen wuchern nicht nur Schimmel und Kaugummiautomaten über Kreuzbergs Wände, sondern auch liebevoll kopierte und ausgeschnittene Comic-Mandalas, die man sich auch gut als Tattoo an Festival-Freidenkern vorstellen könnte.

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Signiert sind die Strassenkunstwerke mit klitzekleinen, ca. 6 mm grossen Blumen, die möglicherweise mit einer Playmobilnagelschere bearbeitet wurden.
Bei soviel Understatement im Streetartbereich (hier zum Beispiel eine etwas ausgewachsenere Profilneurose Signatur) wird einem ja ganz warm ums Herz ...


21.11.2005 | 01:41 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder | In eigener Sache

Triumph der Riesenmaschine

Die deutschsprachige Blogosphäre, fand Holger Hank, Redaktionsleiter des Online-Portals der Deutschen Welle, anlässlich der Verleihung der letztjährigen Deutsche Welle International Weblogs Awards, sei "derzeit sehr stark mit sich selbst beschäftigt". Ihm fehlten "gut geschriebene Blogs, die sich mit den brennenden Themen befassen: Globalisierung, Sozialabbau, Terrorismus." Hanks Ruf sollte nicht ungehört verhallen; umgehend wurde die Riesenmaschine in Gang gesetzt, die sich seitdem quasi rund um die Uhr mit den Themen Globalisierung, Sozialabbau und Terrorismus (letzteres ausserdem hier und irgendwie auch hier) auseinandergesetzt hat. So konnte es nicht ausbleiben, dass der prestigeträchtige Userpreis 2005 in der Kategorie "Best Journalistic Blogs German" an die Riesenmaschine ging. Wir beglückwünschen unsere Autoren zum Gewinn je eines siebenunddreissigstel iPod-Shuffles und danken allen treuen Lesern, die uns zu diesem herrlichen Preis verholfen haben!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wahlaufruf


19.11.2005 | 17:25 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Ostmoderne.com


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wenn man in der Hohen Tatra durch den nadeligen Bergwald stolpert, kann man auf verschieden Merkwürdigkeiten stossen. Etwa auf Millionen zerstörter Bäume, denn auf den Tag genau vor einem Jahr fegte ein erbarmungsloser Orkan über das Gebirge und riss die Hälfte aller Bäume dort in den Tod. Man kann aber auch auf das abgebildete Gebäude stossen. Es handelt sich um das bemerkenswerte Hotel Panorama in Štrbské Pleso des slowakischen Architekten Zdenik Rihák, erbaut 1965 bis 1970. Das dicht an der schillernden Grenze zur nachgebauten Halluzination entlangtänzelnde Bauwerk ist Teil einer bisher aufmerksamkeitsvernachlässigten Architektur, der Ostmoderne. In die Öffentlichkeit getragen wurde dieser Wortspieltitel einer Bauära von den Machern einer höchst wunderbaren Website: Ostmoderne.com. Dort versammeln die Architekten Maik Novotny und Benjamin Konrad und die Fotografin Hertha Hurnaus die Bauten dieser Nachkriegsrichtung aus Osteuropa. Dass das nicht nur a) kulturell notwendig ist, solange die teilweise abrissgefährdeten Bauten noch stehen, sondern b) auch interessant und c) super fotografiert ist, ist inzwischen sogar in die Hochkultur hochgesickert: Das Louvre stellt einen Teil der auf der Website versammelten Fotos auf der morgen zu Ende gehenden Messeausstellung Paris Photo aus. Konzeptbauten mit dem spröden Charme zwischen subversivem Beton-Ostpop und sozialistischer Farbgestaltung sind aber nicht das einzig Abgebildete. Wie an den Fotografien unten zu erkennen, wurden auch innenarchitektonische Werke geschaffen, die die damaligen Architekten offenbar hemmungslos von vielen, vielen heutigen Clubdesignern kopiert haben.

(Lounge für Regierungsmitglieder, Flughafen Bratislava, J. Bahna, V. Vilhan, 1973)

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)


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