Riesenmaschine

27.10.2007 | 00:44 | Nachtleuchtendes | Vermutungen über die Welt

Kosmische Texturen

Textures are defects in the structure of the vacuum left over from the hot early universe. WHAT? Struktur? Vakuum? Defekt? Vielleicht würde man mehr verstehen, könnte man japanisch, aber vielleicht auch nicht. Einigen wir uns darauf, dass beim Zusammenbau so eines Universums einiges schiefgehen kann, wofür man dann später evtl. Nobelpreise kriegt oder zumindest berühmt wird, so wie jetzt der Kosmologe Marcus Cruz und sein Team, die im Branchenblatt Science von einem Defekt im frühen Kosmos berichten. Und zwar an einer Stelle, die unter den Pfadfindern der Hintergrundstrahlung als Cold Spot bekannt und gefürchtet ist, eine überraschend kalte Stelle in der ohnehin schon saukalten kosmischen Hintergrundstrahlung. Hier ist möglicherweise knapp nach dem Urknall die Raum-Zeit-Metrik zerbrochen und seitdem hat sich niemand die Mühe gemacht, sie wieder, naja, kann man Nichts zusammenkleben? Keine Vorwürfe von dieser Stelle. Das Tolle an Wissenschaft: Das alles ist eventuell auch Quatsch und in Wahrheit ist es dort gar nicht kalt, sondern es sieht nur so aus, und zwar, weil sich zwischen uns und dem Urknall an dieser bestimmten Stelle ein bemerkenswertes Loch befindet. Oder aber auch das ist Unfug und alles ist ein gewaltiger Zufall oder nur ein Scherz oder eine versteckte Botschaft.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Alles in allem


26.10.2007 | 09:30 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Das Strike Bike ist da

Und da sage noch einer, Anarchisten seien unzuverlässig. Pünktlich zum angekündigten Auslieferungstermin und eine halbe Stunde vor dem mit der Spedition vereinbarten Termin zur Anlieferung wird eines von 1.800 weltweit existierenden Strike Bikes bei uns angelandet: produziert von renitenten Arbeitern der Fahrradfabrik in Nordhausen, die, angestachelt von Hamburger Anarchisten der FAU, ihr Werk besetzt haben und sich damit gegen die bevorstehende Schliessung durch die Blackstone-Gruppe zur Wehr setzen. Anders als die Lokführer haben sie den Satz von Jean Railla verinnerlicht, dass Dinge produzieren vielleicht heutzutage der letzte wirklich revolutionäre Akt ist. (Allerdings ist die Produktion gerade wieder eingestellt, die Zukunft des Werks im Dunkeln, immerhin gibt es eine Warteliste.) Das Rad selbst, mit wenigen Handgriffen zusammengebaut, ist nicht gerade ein Leichtgewicht, vielmehr ein echtes Produkt des Schwerindustrie-Zeitalters. Mit seinen auf dem Lieferschein vermerkten 18 Kilo (leer) scheint es das Elend der Welt physisch in sich aufgenommen zu haben. Und das Rot erinnert in natura an das Blut der Arbeiterklasse. Es hat einen Sattel aus Gummi (für dieses Rad musste kein Tier sterben), eine geschmeidige Drei-Gang-Nabenschaltung (Kuba kommt schliesslich auch mit drei TV-Kanälen aus) und Rücktritt (Dialektik!). Kurzum: ein Rad, wie es nach der Revolution jeder fahren wird, nachdem alle Mountainbikes samt Fahrer an die Wand ge- äh... schoben wurden.


25.10.2007 | 16:54 | Berlin | Alles wird besser | Listen

Berliner U-Bahnbankkunde


Zum Beispiel so.

Oder so.
Die Dokumentation der Stadt Berlin verläuft leider nicht sehr abgestimmt. So existieren jeweils Dutzende Übersichtswerke für Restaurants, Hotels, Museen, Clubs oder Kleidungsgeschäfte, erscheinen im Jahresabstand diverse papierne Adressverzeichnisse und auch im Bereich der Street Art dürfte es internetseitig inzwischen mehrere Sammlungen geben. Da kommt dann natürlich immer alles doppelt und mehrfach vor, während andere Lebensbereiche komplett ausgespart, ja geradezu tabuisiert werden. Oder hat sich etwa bisher jemand die Mühe gemacht, alle Ampeln Berlins zu foto- und kartographieren, oder alle Gullideckel, Brandmauern, Zigarettenautomaten?

Nachdrücklich gelobt werden müssen daher Pioniere wie Heiko Schäfer und Steffen Kiefer, denen wir eine vorbildliche Website verdanken, auf der sich Fotos der Bänke sämtlicher Berliner U-Bahnhöfe finden. Wie sonst hätte man erfahren, dass es in Berlin mehr U-Bahnhöfe mit Holz-, als mit Metallbänken gibt und dass die Metallbänke immer, aber auch wirklich immer (fast) die gleiche Form haben, während die Holzbänke mal so, mal so, mal so aber auch mal so aussehen? Man hätte alle Bahnhöfe selbst besuchen müssen – die Zeit, die man so spart, sollte man in den Aufbau einer eigenen Sammlung investieren, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Gehwegplatten wären noch frei. Oder Löschwassereinspeisungen.


24.10.2007 | 12:37 | Alles wird besser | Was fehlt

Übergadget Spielkonsole

Das Gerät, das alles auf einmal kann, ist der heilige Gral der Gadgetologen. Zunächst konzentrierte sich die Suche jahrzehntelang auf die Küche und die Schweiz, allerdings vergeblich. Im digitalen Zeitalter schien es dann nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich der Computer in die Rolle des Übergadgets hineinevolutioniert. Bis er schliesslich vor einigen Jahren vom Handy aus der Favoritenrolle gedrängt wurde, das seitdem einsam seine Kreise zieht, dabei immer mehr Funktionen aufsaugt und so ewige Talente wie das Haus locker auf Distanz hält.

Doch nun kommt ein Aussenseiter aus der Deckung: Die Spielkonsole. Schon länger ist sie serienmässig mit Internetzugängen ausgestattet, die PlayStation Portable verfügt etwa über einen Browser, einen RSS-Feed-Leser und ist zudem das einzige Gadget, auf dem die Universal Media Disc, das Medium der Zukunft schon heute läuft, ferner wurde erst neulich bewiesen, dass acht Playstations einen Supercomputer ersetzen können. Und nun das: Wie man bei Siliconera lesen kann, gibt es seit dem 18. Oktober den DS Bungaku Zenshuu, einen EBook-Reader für das Nintendo DS. Im Startpaket sind 100 Bücher enthalten, ab dem 6. November können weitere direkt aufs DS geladen werden. Bücher jetzt also endlich auch für unterwegs, was kommt als nächstes, tragbare Telefone?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wunschzettel 06: Unified Gadgeting


23.10.2007 | 23:33 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Die rote Linie

Neuerdings gibt es ja so Chemikalien, die versprechen, einen wach zu halten, obwohl man eigentlich schlafen müsste. Genaugenommen sind wachhaltende Substanzen entwicklungsgeschichlich wesentlich älter als müde Menschen, ein Konundrum. Jedenfalls sind diese sogenannten Energietrünke entweder ungeniessbar oder ungeniessbar oder beides, und deshalb kommt man nicht mehr davon los, immer neue Derivate auszuprobieren. Angeblich ungeniessbar und obendrein auch noch gefährlich ist VPX Redline, offiziell ein Fettverbrenner, aber wen interessiert das. Der Extremist unter den Wachhaltern besticht mit einer kryptischen Inhaltsauflistung ohne Mengenangaben, immer ein gutes Zeichen. Neben dem üblichen Quatsch entält Redline auch ein paar wirklich interessante Zutaten, z.B. cAMP, Cyklisches Adenosinmonophosphat, das zum einen Proteinkinasen befördert, von denen man nie genug haben kann. Zum anderen findet sich dort 5-HTP, eine Vorstufe des Glückshormons Serotonin, in Deutschland rezeptpflichtig und offenbar zur Beruhigung gedacht. Umfangreiche Testberichte und weitere Analysen finden sich im Referenzblog Energyfiend.com, aber wer glaubt schon, was in anderen Blogs steht. Deshalb hier ein objektiver Testbericht des Konzentrats: In der ersten Stunde ein seltsames Gefühl der Geistesabwesenheit, verbunden mit Frieren und, komisch, bleierne Müdigkeit. Evt. steuert der Organismus hier gegen, weil er schon weiss, dass er wieder die Nacht durchmachen muss, denn genau das passiert als Nächstes, verbunden mit Phasen von kanonischer Ganzkörperwirrnis. Erstaunlich der Langzeiteffekt, noch am nächsten Abend glühende Wachheit. Was die Chemikalien noch so alles anstellen, bleibt im Dunkeln, aber man bekommt den Eindruck, man sollte es mit dem Zeug nicht übertreiben, was auch das abschliessende Urteil sein soll. Vielleicht einfach lieber stattdessen mehr schlafen. Um nochmal Energyfiend zu verlinken: That ain't no energy drink.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Effective Stimul Drink


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