Riesenmaschine

08.12.2008 | 16:06 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles | Gekaufte bezahlte Anzeige

Das Frühstück der Champignons


Superspezialzutat "Süsse Pilze"

Supernormalzutat "Guten-Morgen-Basismix"

Zankapfel Rosine: Jetzt auch in Grün
Mit manchen Lebensmittelzutaten verhält es sich wie mit Prostituierten und Schutzgelderpressern: Man bezahlt nicht dafür, dass sie da sind, sondern dafür, dass sie wieder verschwinden oder gar nicht erst auftauchen, weil sie Gesundheit oder Wohlbefinden beeinträchtigen.

Ähnlich, aber doch ganz anders ist es im Cereal Club: Dort ist jeder Türsteher seiner eigenen Müsli-Party und kann mit Hilfe des Cereal Creators entscheiden, wer einen festen Platz auf der Gästeliste hat (Weizenflocken, Haferflocken, Sonnenblumenkerne), wer trendy, süss oder crazy genug ist, um mal reinschmecken zu dürfen (Goji Beeren, Hanfsamen, Mohn, Quinoa, Aloe Vera, Cranberry Chocs) und welche Proletenzutaten Hausverbot auf Lebenszeit bekommen (Haselnüsse, Rosinen, kleine Steine) – und das, ohne dabei schale Kompromisse eingehen zu müssen (oder sein Frühstück in tennisballdosenartigen Mini-Silos zugeschickt zu bekommen).

Die Riesenmaschine begrüsst Mass Customization im Allgemeinen und hier im Speziellen, denn die Vorlieben und Abneigungen frühstückender Individuen sind nun mal so unterschiedlich und bunt gemischt wie die Zutaten selbst: Den einen ist es aus religiösen Gründen untersagt, Mais, Reis, Gepopptes oder Traubenzucker zu verzehren, andere dürfen, wie die Lianen-Bungeespringer von Vanuatu, zu einer bestimmten Zeit im Jahr aus gesundheitlichen Gründen nichts essen, was ein Vogel berührt hat. Einige sind einfach nicht die Typen für Müsli und Magerquark, andere begegnen den weltweit steigenden Getreidepreisen und ihren verheerenden Folgen für die Dritte Welt und die Bierpreise mit einem weitgehenden Verzicht auf getreidehaltige Bestandteile. Sie alle kommen auf ihre Kosten, denn Cerealclub bietet neben bekannten und weniger bekannten klassischen Zutaten für strenge Müslime auch reichlich Spielraum für müsliferne Kombinationen, die ausschliesslich aus Pops, Flakes, Crispies, Mini-Cookies, Schaumzuckergebilden und herzhafter Knabberware bestehen. Freunden politischer Frühstücksaspekte bietet sich darüber hinaus die Möglichkeit, mit gutem Gewissen global zu mischen und lokal zu handeln: mit dem Spendentopping für die Stiftung Mittagskinder.

All das macht den Cereal Club zu einem der buntesten Tempel undogmatisch-lockerer Frühstücksflockigkeit ausserhalb der Philippinen. Für die Zukunft wünschen wir uns höchstens noch einen Customize-Frischkornbrei im Overnightversand sowie die Sonderzutaten Taiwanesisches Seaweedtabix, Hawaiianische Holzrosensamen und einen Hallo-Wach-Mix mit Amphetamin-Drops und Red-Bull-Granulat.

Wir verlosen drei Cereal-Club-Gutscheine: Einfach in die Kommentare schreiben, welche Zutat der Cereal Club noch aufnehmen sollte.

Natascha Podgornik | Dauerhafter Link | Kommentare (32)


27.11.2008 | 01:17 | Anderswo | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Die grosse Einheitsplörre

Die bereits vielfach beschriebene Allianz von Joghurt- und Duschprodukten eilt von Erfolg zu Erfolg. Zunächst wurde sie durch Der Grosse Bauer Aloe Vera-Rose weiter gefestigt – und nun kann sie der erstaunten Weltöffentlichkeit einen neuen Verbündeten präsentieren: Die Cola.

Erste sichtbare Resultate des Dreibunds sind das Cherry Cola Shower Gel von Philosophy und die neu in Japan auf den Markt geworfenen Pepushi Howaito, die gleichzeitig eine Wachablösung im Limonadenfarbmarkt bedeutet: Weiss ist das neue Grün. Japankorrespondent Peer Junge beschreibt den Geschmack der Pepsi White als eine "Mischung aus Pepsi Light und Fruchtzwergen", während sie vom Aussehen her eher an Sperma erinnere.

Unweigerlich steuern wir also auf die Schaffung einer grossen Einheitsplörre zu, in der Joghurtkulturen, Wellnesskräuter, Kombucha-Bakterien, fermentiertes Malz, Taurin, Koffein, Mate, Grüner Tee, Alkohol und alles, was man sonst noch so braucht, vereint sind, die man trinken, als Shampoo und als Schmiermittel nutzen kann und die im Zweijahrestakt die Farbe wechselt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Rosenlassi


19.11.2008 | 15:34 | Anderswo | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Extrawurst entdeckt


Der Engländer mag es lieber etwas mehr "down to earth"
Und zwar im Courtyard Marriot in Graz. Was wir seit jeher für eine blosse Redewendung hielten, lag dort ungebraten aber deklariertermassen auf dem Frühstücksbuffet herum. Darüber amüsiert wurden wir von Einheimischen darüber aufgeklärt, dass in Österreich gängigerweise belanglose Fleischwurst zur "Extrawurst" hochgejazzt wird – so wie standardmässig aus dem Abiturienten der Herr Professor, aus der alten Schachtel die Gnä'frau Geheimrat wird. Wir vernahmen es verwundert und assen unser Rührei (vermutlich aus dem Konsum stammend), während draussen vor dem Fenster Maulaffen feilgehalten wurden. Ob der Küchenchef zufälligerweise Schmalhans hiess, haben wir indes nicht überprüft.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Das Missing Link zwischen Zwieback und Toast


17.10.2008 | 02:51 | Berlin | Essen und Essenzielles

Leider ist dieser Text nicht von Wortmann


Kürzlich in Mexiko
Das Wortspiel ernährt drei Berufsgruppen: moderne Lyriker, Komiker und Werbetexter, bzw. die Synthese aus allem: den Rapper. Es verführt aber auch zur "selffulfilling Standortwahl": in der Marienburger Strasse muss man einfach ein Burgerrestaurant aufmachen. Als Bestattungsunternehmen könnte man sich in der Ernst-Grube-Strasse ansiedeln, als Dealer in der Linienstrasse, als Satiriker am Eulenspiegelweg. Je intelligenter man ist, an umso schlechteren Wortspielen hat man ja Freude (während es gute Wortspiele nur für Dumme gibt.) Entsprechend muss man sich als Schornsteinfeger in Russland ansiedeln, als Fleischbeschauer in Finnland und als Jungfrau in England. Und als Bundeskanzler Frank Steinmeier muss man unbedingt einmal im Leben Frankreich erobern.


12.10.2008 | 17:48 | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Schokolade hilft nicht ist eine Nachricht


Schutz vor Herzerkrankungen (Serviervorschlag).
Quelle: feastguru_kirti (Lizenz)
Zur wöchentlichen Wurst einer Wissenschaftsredaktion gehören Geschlechtsdimorphismen, niedliche aussterbende Tiere und Schokolade. Kürzlich wurde beispielsweise bejubelt, dass italienische Forscher ein niedrigeres Risiko für Herzerkrankungen durch den täglichen Genuss von 6,7 g dunkler Schokolade ausgemacht haben.

Das tendenziös, verklärte Medienecho zu Schokolade fordert eine kritische Berichterstattung zu ihrer dunklen Seite; wir tun daher unsere Pflicht zur Aufklärung im Folgenden und arbeiten die Nachrichten aus der Schokoladenforschung auf.

Sonst nimmt am Ende niemand wahr, dass die Dreingabe eines Schoko-Riegels (70% Kakao) bei norwegischen Physiotherapeuten keine Verbesserung des Rücklaufs von Fragebögen erzielte. Oder alle verpassen ihre Rolle als Auslöser von Migräne und die schockierenden Erkenntnis, dass das Verlangen nach Schokolade die geistigen Leistungen von australischen Studentinnen negativ beeinflusst.

Ergebnisse zu Trauben-Nuss liegen noch nicht vor.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Island, deine Riegel


... 4 5 6 7 8 [9] 10 11 12 13 14 ...

*  IN DER RIESENMASCHINE


*  ORIENTIERUNG



Werbung
Werbung Ratgeber

*  SO GEHT'S:

- Zeitvertreib

- Raupengehege

- Eisen-Dieter

- Peeptoe-Show

*  SO NICHT:

- Bibergeil (in Wirklichkeit ungeil)

- Würgereizwäsche

- Fünfziger Jahre Plünnen (over and out)

- Weihnachtsbaum-Hamsterkäufe


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"Der Knochenmann", Wolfgang Murnberger (2009)

Plus: 2, 21, 49, 56, 80, 118
Minus: 1, 117
Gesamt: 4 Punkte


*  KATEGORIEN


*  ARCHIV