Riesenmaschine

16.12.2010 | 14:00 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Slaymobil


Welcome to Hell! (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Geobra Brandstätter GmbH & Co. KG, Zirndorf, wartet zum Fest in ihrer
Playmobil-Special-Reihe mit einem besonderen Schmankerl auf: Kapuzengeist 4694 – nicht nur ausgerüstet mit Anarcho-Kapu, Schwert und Doppelaxt, auf der ein physiognomisch interessanter Playmo-Schädel prangt, nein, auch noch schaurig selbstleuchtend ist das untote Vieh! Black Magic im Kinderzimmer, stilistisch angesiedelt zwischen Dimmu Borgir und der Armee der Finsternis (geht's noch?) – ein verstörender Ausrutscher von Plaste-und-weniger-Elaste Zirndorf? Keineswegs: 4694 reiht sich nahtlos in die aufrüttelnde Liste von Topless Robot ein, wo klargestellt wird, dass Playmo schon immer hin und wieder mal eine Spur härter war als die Konkurrenz (hallo: saufende Bauarbeiter? Da fallen dem Lego-Duplo-Hasen ja die Löffel ab!).


15.12.2010 | 09:46 | Supertiere | Alles wird besser | Listen

Mummy you're not watching me


Alles, was der Hund braucht. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
"Ich hab von Tante Gisela ein Mail mit so einem Anhang bekommen, wo muss ich denn da drücken?" Wenn die ehemaligen Erziehungsberechtigten online gehen, folgen nicht selten Anrufe mit Fragen dieser Art. Wer als Sohn oder Tochter nicht in stundenlangen Gesprächen feststecken möchte, in denen der Satz "Was siehst du gerade auf dem Bildschirm?" häufiger gesagt werden muss, der sollte schleunigst die wunderbare Internetseite www.teachparentstech.org konsultieren. Hier werden sämtliche Standardsituationen (Copy und Paste, Systemzeit einstellen, Bildschirmhintergrund wechseln und ach so vieles mehr) freundlich, aber bestimmt per Video erklärt. Ein kleines Formular ausfüllen, hier und da ein paar Häkchen setzen – und schon geht der ganze Scheiss als nette Mail an Mama und Papa. Ein Traum – zumindest wenn die Eltern in der Lage sind, die zugesandte Mail auch zu öffnen.


10.12.2010 | 11:35 | Berlin | Listen

Drei mal nein


Negative Dialektik mal anders (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Vom Schwierigkeitsgrad her nur vergleichbar dem Triple-Toeloop oder -Salchow beim Bodenturnen zählt die dreifache Verneinung zu einer der komplexesten Figuren im Feld der Rhetorik. Anders als die durch Paul Watzlawick bis in die Niederungen des Alltagsgebrauches hinein popularisierte doppelte Verneinung wird sie deshalb in der Praxis nur äusserst selten angewandt und, wo doch, misslingt sie mit frustrierender Regelmässigkeit. Die erste überzeugende Variante ist nun der Kreuzberger Antifa auf einem Spucki gelungen, der auf der Toilette des Monarch klebt und zum universellen Widerstand gegen ihre Gegenspieler aufruft. Gelingen konnte das freilich nur, weil die Antifa als Absender selbst die Negation schon im Schilde führt und ihre Anhänger obendrein fest verwurzelt sind in der Logik der symmetrisch-reziproken Annihilationsbestrebungen der Extreme. Einen kurzen Moment des kognitiven Kollapses lang wähnt man schon ein Mimesis-Manöver von rechts oder gar Anna Freuds Identifikation mit dem Aggressor am Werk, dann sortiert sich das Puzzle, und die Nonchalance der wie naturwüchsig und organisch gewachsen wirkenden filigran-riskanten Sinnkonstruktion offenbart sich schlaglichtartig in einem Kugelblitz der Erkenntnis. Alle Achtung. Da sage noch mal einer, die Antifa könne nicht kommunizieren.


07.12.2010 | 12:16 | Berlin | Alles wird besser | Alles wird schlechter

Kritische Hipster


Das Klima im Hipster-Bezirk Prenzlauer Berg wird härter.
Nicht nur der VKH, auch die Kita Bambinioase steuert gegen. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Lustig war das Hipster-Leben: Den ganzen Tag nicht erwachsen werden, mit dem Strichachter durch Mitte cruisen oder im Laptop-Café die iTunes-Playlist sharen. Später zog man dann ins puristisch gehaltene Baugruppen-Loft, investierte in indonesische Versorger, bekam Nido-Kinder und scherte sich insgesamt einen feuchten Kehricht um den Rest der Gesellschaft und die sogenannte oder auch Gentrifizierung, deren Speerspitze man nolens volens schmolens war. Tempi passati.

Was ist passiert? Vielleicht haben ein paar zu viele von ihnen den kommenden Aufstand gelesen und sich gegruselt. Vielleicht haben sie sich und ihr wohlstandsverwahrlostes High-End-Leben zu lange im Spiegel von unhappyhipsters.com angeschaut. Liegt es daran, dass im Hipster-Mutterland USA gerade das Rollenmodell für tot erklärt und historisierend einsortiert wird? Oder war es am Ende doch die hartnäckige wachsende Reaktanz der Eingeborenen in den Hipster-Problembezirken, die Konfrontation nackter Haut bei den Wohnungsbesichtigungen, das abgefackelte Auto vor der Tür, die innere Einkehr und Selbstkritik befördert und den hiesigen Hipster ins Grübeln gebracht haben?

Jedenfalls hat sich jetzt in Berlin der Verband kritischer Hipster gegründet: "ein lockerer Zusammenschluss von Menschen, die im Prenzlauer Berg wohnhaft sind und sich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen in ihrem eigenen Umfeld kritisch auseinandersetzen." Die ersten Texte auf der Website legen tatsächlich Zeugnis ab von einem dem Hipster niemals zugetrauten Bedachtsamkeit und Selbstreflexion. Und ein aufschlussreiches Interview mit jetzt.de gibt es auch schon. Da kann man also sehen, was, Hipster Hitler zum trotz, die Hipster von den Nazis unterscheidet: Sie haben vielleicht die gleichen Frisuren, aber übernehmen ihre geschichtliche Aufarbeitung lieber selbst, anstatt sie den 38ern zu überlassen.


06.11.2010 | 02:18 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Unser Wald, unser Bier


Zu tief ins Forst geschaut (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Es ist an der Zeit, ein Bier zu loben, wie es so gebraut in Deutschland kein zweites hat. Dummerweise kommt es gar nicht aus Deutschland und ist auch hier nicht aufzutreiben. Es stammt aus der "Spezialbierbrauerei" Forst aus Forst in Südtirol und hört auf den Namen Forst. Die martialische Typografie tut ein übriges dazu, Assoziationen an Ernst Jüngers "Waldgang" und Elias Canettis These vom Heer als "marschierendem Wald" zu wecken. Wald, Wald, Wald, Forst, Forst... die Deutschen sind ja bekanntlich besessen davon. Wieso hat hierzulande eigentlich noch niemand diesen zweiten urdeutschen Topos neben dem Bier selbst zum Markenzeichen erhoben? Auf jeden Fall kann das niedlich-verhutzelte Szenegetränk "Tannenzäpfle" dagegen aber sowas von einpacken. Schmecken tut Forst im Übrigen auch nicht schlecht, ist nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, und der Slogan auf der Website, "Unsere Welt. Unser Bier", lädt förmlich dazu ein, Südtirol sofort zu annektieren. Bis es so weit ist, möge also bitte mal jemand mit gesundem Nationalempfinden und ökonomischen Menschenverstand sich der Sache annehmen und FORST nach Deutschland importieren. Es wird sein Schaden nicht sein.


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